„Gänsehautfeeling“ auf der Freilichtbühne

16.6.2010

60. Spielzeit der Eutiner Festspiele mit Beethovens Neunter eröffnet

Ein Schauer lief den Gästen beim Festkonzert auf der Eutiner Freilichtbühne über den Rücken – nicht nur wortwörtlich in Form des Regens, sondern auch sprichwörtlich in Form der so genannten „Gänsehaut“. Obwohl es das Wetter nicht gut mit den Eutiner Festspielen meinte, der Regen eine Herausforderung für Künstler, Instrumente und Gäste gleichermaßen darstellte, konnten sich die Anwesenden über ein grandioses Konzert freuen. Sie trotzten dem Wetter vielleicht auch, um ein Zeichen zu setzen, um sich nach den immer noch anhaltenden Diskussionen um die Eutiner Festspiele und deren Zukunft bewusst hinter die Freilichtoper zu stellen. Jedenfalls gab es tosenden Applaus für E. Daniel Kühnel, der für diesen Sommer die künstlerische Gesamtleitung der Eutiner Festspiele übernommen hat, der betonte, dass man die Festspiele nicht in Frage stellen dürfe. Hilary Griffiths, der das Benefizkonzert zur Eröffnung der 60. Spielzeit dirigierte, wurde besonders herzlich empfangen und von Eutins stellvertretenden Bürgermeisterin Elgin Lohse, die in ihrer Ansprache auch an die Anfänge der Eutiner Festspiele erinnerte, begrüßt. Als „eine Persönlichkeit, die unsere Oper als Dirigent besonders geprägt hat“, beschrieb sie Griffiths in ihrer Ansprache. Unter seiner musikalischen Leitung erklang zunächst das Klarinettenkonzert Nr. 2 von Carl Maria von Weber. Die junge Klarinettistin Shirley Brill wurde von den Hamburger Symphonikern, die bereits seit 1957 das Orchester der Eutiner Festspiele sind, begleitet. Als Highlight folgte die 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven. Auch für das Festkonzert konnten weltbekannte Solisten gewonnen werden: Neben der Sopranistin Claudia Barainsky die Mezzosopranistin Ulrike Helzel sowie Franz Grundheber (Bass) und Thomas Mohr (Tenor). Lohse dankte ihnen ebenso wie den Dirigenten und dem Orchester, die ohne Gage auftraten und damit den Eutiner Festspielen ein Jubiläumsgeschenk machten. Für die „Ode an die Freude“ betrat der rund 140 Stimmen starke Chor die Bühne, der sich aus vier Chören zusammensetzte: dem Hamburger Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor, der Lübecker Singakademie, dem Eutiner Festspielchor sowie dem „Chor aktiver Eutiner zur Unterstützung der Festspiele“. Letztere hatten gerade einmal vier Wochen Zeit, um die anspruchsvollen Partien einzuüben. Chorleiterin Gabriele Pott zeigte sich mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Anfangs sei es eine große Überraschung gewesen, da keiner voraussagen konnte, wie viele Eutiner mitmachen würden und welche Qualität die Stimmen haben. „Nach den ersten beiden Proben war ich bereits sehr angetan“, berichtete Pott. Nicht nur die Qualität der Sängerinnen und Sänger habe sie beeindruckt, sondern auch deren Enthusiasmus. Alle Teilnehmer seien von Anfang an so begeistert gewesen, dass die Probenzeit von ein auf zwei Stunden aufgestockt wurde. Außerdem sei eine zusätzliche ganztägige Probe angesetzt worden, so dass die Eutiner am Ende fast alle Teil der „Ode an die Freude“ mitsingen konnten; lediglich zum Trainieren der schweren Fuge sei keine Zeit mehr gewesen. „Viele haben sehr fleißig zu Hause geübt“, so Pott. Jeder habe eine Übungs-CD mit seiner oder ihrer Stimmlage zum Trainieren zu Hause mitbekommen. „Ich freue mich über die Eutiner Resonanz“, meinte die Chorleiterin abschließend. Am Ende des Festkonzerts gab es überwältigenden Applaus und nicht enden wollende „Bravorufe“ für die Künstlerinnen und Künstler.

Der Reporter, 16.06.2010

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