Geschichte
Die Eutiner Festspiele feiern in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag:
Sechs Jahrzehnte Musik-Begeisterung unter freiem Himmel
Wenn es die Eutiner Festspiele nicht schon gäbe, man müsste sie dringend erfinden. Denn nirgendwo sonst in Deutschland ist die Verbindung aus klassischer Musik, idyllischer Natur und sommerlicher Entspannung so gut gelungen. Der Erfolg gibt dem Konzept Recht. Die Freilichtbühne im Schlosspark, direkt am Ufer des Großen Eutiner Sees gelegen, gilt unter Klassik-Kennern als die schönste Natur-Konzertbühne Deutschlands; die Eutiner Festspiele selbst werden seit ihrer Gründung im Sommer 1951 zu den Festivals gezählt, bei denen man regelmäßig gewesen sein muss.
In diesem Sommer feiern die Eutiner Festspiele ihren 60. Geburtstag. Gefeiert wird auch dort, wo sie längst einen Stammplatz haben im Herzen Eutins, mit einem großen Festkonzert auf der Freilichtbühne am 11. Juni, bevor die erste Opern-Aufführung am 17. Juli folgt. Dass alles mit der Musik Carl Maria von Webers begann, ist keine Überraschung, denn der Komponist wurde 1786 in der Residenzstadt im Herzen der Holsteinischen Schweiz geboren. Sein romantisches Opern-Meisterwerk „Der Freischütz“ bildete das Fundament des Spielplans. Die Begeisterung für dieses Konzept war so groß, dass aus zwei anfänglich geplanten Aufführungen neun wurden. Aus der Würdigung anlässlich Webers 125. Todestag wurde ein allsommerlich wiederkehrendes Kultur-Ereignis, das bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Hier traten im Laufe der Jahrzehnte etliche Sängerinnen und Sänger auf, die Weltkarriere machten: Stars wie Hermann Prey, Kurt Moll, René Kollo, Theo Adam, Hans Sotin, Bernd Weikl, Nicolai Gedda oder Hanna Schwarz haben hier gesungen. Mehr als 40 Opern, vom Barock bis zur Moderne, wurden inszeniert. Die Liste wird vom „Freischütz“ angeführt, der in rund 40 Spielzeiten wiederkehrte. Seit einem halben Jahrhundert sind die Hamburger Symphoniker ein prägender Teil des musikalischen Sommermärchens in der Rosenstadt.
Zur Feier des Jubiläums stehen in diesem Jahr gleich zwei Publikumslieblinge auf dem Programm: Webers „Freischütz“ und Verdis „La Traviata“, beide in Neuinszenierungen. Eine Premiere ganz besonderer Art ist „Lalla Rûkh“, ein faszinierendes „Festspiel mit Gesang und Tanz“ mit Musik von Spontini. Die Geschichte einer indischen Prinzessin wird als „Wandeloper“ mit „Lebenden Bildern“ auf dem Gelände des Schlossparks aufgeführt, fast so wie bei der Uraufführung 1821 am preußischen Hof. Für das junge Publikum erweckt ein Singspiel von Gloria Bruni den hölzernen Flunkerer Pinocchio zum Leben. Außerdem findet ein Education-Projekt für Kinder statt, das Berührungsängste vor klassischer Musik abbauen soll. Weitere Programm-Aspekte sind Kammermusik-Konzerte im Eutiner Schloss. Krönender Abschluss der am 29. August endenden Spielzeit sind die traditionellen Gala-Abende mit Highlights aus Oper, Operette und Musical.
Daniel Kühnel, seit 2004 erfolgreicher Intendant der Hamburger Symphoniker und Mitglied des Aufsichtsrats der Eutiner Festspiele, hat Ende 2009 die künstlerische und organisatorische Planung der Festspiele 2010 übernommen. Daniel Kühnel wurde am 12. März 1973 in Jerusalem geboren. Die Eltern waren Professoren für Kunstgeschichte in Jerusalem und Tel Aviv. Auf einem Fachgymnasium für Musik und Tanz studierte er Klavier und Fagott, ab 1991 in Berlin Jura und Musikwissenschaft. Während der Arbeit an seiner Dissertation über „Verfassungsrechtliche Grenzen der Besteuerung“ wurde er persönlicher Referent des Verwaltungsdirektors der Deutschen Oper Berlin. 2004 trat er die Nachfolge von Peter Dannenberg als Intendant der Hamburger Symphoniker an, deren Chefdirigent seit der Saison 2009/2010 Jeffrey Tate ist.
Geschäftsführer der Eutiner Festspiele ist seit Juni 2010 Josef Hussek. Er wurde 1950 in Wien geboren, studierte Soziologie und Politikwissenschaft in seiner Heimatstadt. Im Anschluss war er Projektleiter am Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung. Von 1980 bis 1988 folgten Anstellungen als Dramaturg, Künstlerischer Koordinator und Disponent bei den Orchestern und an den Theatern von Bern und Bonn. Für neun Jahre leitete Josef Hussek in der Ära Peter Ruzicka / Gerd Albrecht das Künstlerische Betriebsbüro an der Hamburgischen Staatsoper.1997 bis 2000 arbeitete er als Intendant an der Wiener Kammeroper und für das Festival „Mozart in Schönbrunn“. In dieser Funktion war er Vorsitzender des „Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs“. Als Juror ist er bei zahlreichen internationalen Gesangswettbewerben vertreten. Von 2001 bis 2004 wirkte Hussek als Künstlerischer Betriebsdirektor der Salzburger Festspiele. Dort engagierte er unter anderem eine junge Russin, die 2002 als Donna Anna im „Don Giovanni“ von Nikolaus Harnoncourt und Martin Kusej schlagartig berühmt wurde: Anna Netrebko. Seine Aufgabe in Salzburg bezeichnet er später als „die Kunst, eine Vielzahl von Wünschen und Erfordernissen dispositionell möglich zu machen“.
Die Leitung von Daniel Kühnel und Josef Hussek ist für die Eutiner Festspiele 2010 der Aufbruch in eine neue, vielversprechende Zukunft.
