Rückenwind für „La Traviata“

21.7.2010

Eutin - Das laute Echo, das die „Freischütz“-Premiere der Eutiner Festspiele am vergangenen Sonnabend ausgelöst hatte, wirkt weiter nach. Nicht nur durch die überwiegend euphorisch-positiven Schlagzeilen der norddeutschen Medien zu Kay Kuntzes gewagter Inszenierung (Hamburger Abendblatt: „Der Schlingensief von Eutin“), auch in der Opernscheune ebben die Glückwünsche nicht ab.

„Ich erhalte jede Menge Anrufe mit dem Tenor: Schön, dass sich bei den Festspielen etwas bewegt“, so Josef Hussek gegenüber den LN. Besonders erfreut ist der neue Geschäftsführer von einem Anruf aus Hamburg vom ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele und der Hamburgischen Staatsoper, Peter Ruzicka. Hussek: „Er hat mir herzlich gratuliert und zugleich angekündigt, dass er zu einer Freischütz-Aufführung nach Eutin kommen möchte.“

Tatsache ist: Die Kartenbestellungen haben angezogen. Nicht nur für die heutige Familienvorstellung (20 Uhr) des „Freischütz“ zu ermäßigten Preisen, für die gestern bereits über 1500 Tickets verkauft waren, auch die Nachfrage für die Premiere von Verdis Meisterwerk „La Traviata“ am kommenden Sonnabend (20 Uhr) steigt. „Was auch durch den Rückenwind vom Freischütz kommt“, so Hussek. Die frohe Botschaft aus der Opernscheune gestern Mittag: „Rund 70 Prozent der Premieren-Karten für La Traviata sind weg.“

Einen ersten Eindruck, was den Besucher auf Eutins grünem Hügel von einer der schönsten Opern der Welt erwartet, lieferte am gestrigen Abend die Hauptprobe mit Solisten, Chor und Orchester, den Hamburger Symphonikern. So erlebte man Bernarda Bobro in gleißender Sonne in der Titelrolle der Violetta in zunächst weißem Premieren-Kostüm und einer roten Rose im Haar. An ihrer Seite gibt der 26-jährige Rame Lahaj in der Hauptrolle des Alfred seine Bühnen-Premiere in einer großen Oper. Beides zwei junge Belcanto-Stimmen, die die Eutiner „La Traviata“ in ihrer Originalsprache singen. Gestern jedoch noch ihre Stimmen schonend.

Von der Tribüne, im Schatten eines Schirmes, beobachtete Saskia Kuhlmann den Auftritt. Die Regisseurin, die nach der Offenbach-Operette „Die Großherzogin von Gerolstein“ vor einem Jahr nun erneut in Eutin Regie führt, will in der tragischen Liebesgeschichte von „La Traviata“ (italienisch: Die vom Wege Abgekommene) vor allem die Menschen portraitieren. Sie sagt: „Ich will die Violetta nicht gekitscht, sondern als eine Hard-working-woman zeigen, die aus der Gosse kommt und nur eines will – Aufnahme in den bürgerlichen Stand.“ Natürlich kommt das Bühnenbild anders als beim „Freischütz“ daher. Dietrich von Grebmer gibt der Oper einen Rahmen mit vier Bildern ohne Umbau, Vorhang, sondern als fließenden Übergang. So ist Josef Husseks Hoffnung groß: „Die Traviata wird auch in Eutin ein volles Haus bringen.“

Lübecker Nachrichten, 21.07.2010

zurück zur Übersicht