Schauspieler Hans-Jürgen Schatz zaubert „Die Fülle des Wohllauts“ auf die Bühne
3.7.2010
EUTIN – Wasser. Viel Wasser. Hans-Jürgen Schatz trinkt ganz viel Wasser. Nur so bleibt der Schauspieler richtig bei Stimme. Die braucht er unbedingt, wenn er auf der Eutiner Freilichtbühne steht und die literarisch-musikalische Operngala „Der Zauberberg“ nach Thomas Mann präsentiert. Der 51-Jährige ist regelmäßig als Rezitator tätig, hat aber noch niemals zuvor auf einer Freilichtbühne agiert. „Das wird ganz spannend“, vermutete er in einem LN-Gespräch, sagte aber auch: „Das Ganze ist eine ausprobierte Sache. Von ihr
weiß ich, dass sie funktioniert.“ „Zauberberg“ werde kein bunter Abend mit einem lockeren
Melodienreigen. Er habe eine Moderation geschrieben, die sich 1:1 an Thomas Manns Kapitel „Fülle des Wohllauts“ in „Der Zauberberg“ halte. Schatz will besondere Akzente setzen, denn: „Ich hasse Beliebigkeit und Austauschbarkeit“. Er sieht sich als „Anwalt von Thomas Mann“. Der Rezitator hat seinen Text „von innen nach außen gelernt“ – zunächst stumm vor sich hin, später dann laut. „Man muss das in die Schnauze kriegen“, zitiert er einen Spruch
unter Theaterleuten, und formuliert dann etwas feiner: „Ich muss in der Diktion Thomas Manns zu Hause sein und muss mit demselben Ausdruck lesen, wie er es getan hätte.“ Obwohl er nie eine Schauspielschule besucht hat, ist Hans-Jürgen Schatz ein gefragter Darsteller. Sein Debüt gab er 1978 mit der Hauptrolle in dem Spielfilm „Flamme empor“. Seitdem hat er in über 80 Fernsehund Kinofilmen mitgewirkt. Zu sehen war er unter anderem
in „Lulu“, „Heimat“ und „Die weiße Rose“ sowie in 50 Folgen der Serien „Salto Postale“ und „Salto Kommunale“. Bekannt wurde er auch als Darsteller in der Krimi-Serie „Der Fahnder“. Regelmäßig steht Hans-Jürgen Schatz auch auf den Theaterbühnen. 1989 entdeckte er dort die „kleine Form“ für sich. Seitdem gastiert er erfolgreich mit Lesungen. Inspiriert zum Schreiben der Moderationen hat ihn nach eigenem Bekunden sein großer Kollege Martin Benrath. Der große Opernfreund und Opernkenner ist außerdem ein gern gesehener Gast auf den Konzertpodien Deutschlands. Für seine Interpretation des amerikanischen Kinderbuchs „Der Zauberer von Oos“ bekam er den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“, für seine Einspielung der musikalischen Erzählung „Paddington Bärs erstes Konzert“ den Deutschen Schallplattenpreis „Echo Klassik“. Die Rosenstadt Eutin ist keine Unbekannte für Hans-Jürgen Schatz. Er lernte sie vor mehr als zehn Jahren durch einen Auftritt in der Senioren-Residenz „Wilhelmshöhe“ kennen, war aber auch schon in Neustadt und fährt immer wieder gerne nach Lübeck, in die Stadt von Thomas Mann. So richtig zu Hause aber fühlt er sich in Berlin. Dort überreichte ihm der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vor nicht allzu langer Zeit des Bundesverdienstkreuz. Besonders gefreut hat sich darüber aber seine Mutter. Schatz: „Ich habe sie zu der Veranstaltung mitgenommen, weil sie immer schon
mal ins Berliner Rathaus wollte."
Lübecker Nachrichten, 03.07.2010
