Das Herzstück der Festspiele feiert Premiere

14.7.2010

Carl Maria von Webers „Freischütz“ eröffnet die 60. Spielzeit

Welches Stück wäre wohl passender für diese 60. Spielzeit der Eutiner Festspiele, als das berühmteste Werk Carl Maria von Webers, des großen Sohns der Stadt? Zwar sei keine Oper auch nur annähernd so oft gespielt worden wie der „Freischütz“, erklärte Josef Hussek, der neue Geschäftsführer der Festspiele, aber auch nur wenige Opern erreichten dieses höchste musikalische Niveau bei größter Popularität, wie es der „Freischütz“ schafft. „Es ist ein unerschöpfliches Werk, weil die Musik immer neue Einblicke eröffnet – und die populärsten Opern sind auch meist die besonders guten Opern, und dazu darf man stehen.“ So eröffnet die Geschichte um Max, den erfolglosen Jägersburschen, und seine Liebste Agathe am kommenden Samstag ganz offiziell die 60. Festspielzeit – die romantische Jägergeschichte mit der wunderbaren Musik Webers zeigt in diesem Jahr eine ganz neue Seite. Denn dreht es sich im „Freischütz“ vor allem um Max und seine Liebe zu Agathe, die jedoch nur erfüllt werden kann, wenn er den Probeschuss erfolgreich absolviert, ist es doch auch eine von Konflikten und Spannungen getragene Geschichte. Und so wird man wohl in Webers Stück am kommenden Samstag so einiges erleben, was man in dieser Form noch nicht gesehen hat. Regisseur Kay Kuntze hat den „Freischütz“ auf eine etwas dunklere Weise, realistischer und vielleicht auch erlebbarer inszeniert. „Der „Freischütz“ spielt unmittelbar nach Ende des 30jährigen Krieges – uraufgeführt wurde er 1821, kurz nach Ende der großen europäischen Kriege. Weber wählt für sein Stück die Nachkriegszeit, es ist vom Krieg die Rede und auch Max und Kaspar kommen gerade aus dem Krieg“, erklärt Kay Kuntze. „Die beiden haben sich ganz unterschiedlich entwickelt nach dem Krieg, sind aber einander die einzigen, die verstehen, was sie erlebt haben. Und bei diesen vielen ungelösten Problemen setzt der "Freischütz" an.“ Während Bauer Kilian und seine Kumpane noch in Max` Wunde pieken, kann der Jägerbursche nicht mal mehr zu seiner Agathe, kommt nicht mehr zur Ruhe. Diese Spannungen haben ihre Wirkung auf das Bühnenbild ebenso wie die umgebende Natur – schlicht und mit zwei Ebenen wird sich die Bühne präsentieren, auf einer Ebene die idyllische Landschaft mit der fröhlichen Gesellschaft, auf der zweiten Ebene das unerlaubte Gießen der Kugeln, der Schrecken der Wolfsschlucht, in der Max seinen Ängsten begegnet, ein transparentes Bühnenbild mit dem dichten Wald des Grünen Hügels drumherum. „Es wird kein „Freischütz“ aus der Konserve sein“, verspricht Kay Kuntze. „Es wird nichts geben, was von den Figuren ablenkt, wir haben alles, was wir brauchen, mit der Natur um die Bühne herum.“ Es sei ein Stück, für das man als Regisseur ein Bekenntnis machen müsse, da immer die Gefahr bestehe, ins Tümelnde abzudriften mit all den Bauerntänzen und Volksfesten. Diese Gefahr jedoch besteht bei dem diesjährigen „Freischütz“ nicht. Besetzt ist der „Freischütz“ mit erstklassigen Sängern – mit Thomas Mohr als Max, Julia Sukmanova als Agathe und Matthias Klein als Kaspar. „Max wird immer als Loser dargestellt, als Langeweiler“, so Thomas Mohr, „wir erklären, wieso er so ist.“ Und dass sich wohl kein zweiter Ort auf er Welt so gut für die Aufführung des „Freischütz“ eignet wie Eutin, wie Josef Hussek sicher ist, eben davon können sich die Eutiner und ihre Gäste ab kommenden Samstag, dem 17. Juli wieder selbst überzeugen, denn dann feiert der „Freischütz“ Premiere – Karten sind erhältlich bei der TouristInfo am Markt, telefonisch unter 04521-709734, in der Opernscheune im Schlossgarten, telefonisch unter 04521-80010 oder im Internet unter www.eutiner-festspiele.de.

Der Reporter, 14.07.2010

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